Segelflugzentrum Königsdorf – eine Erfolgsgeschichte

Unsere Chronik | Die Geschichte des Segelflugzentrums

Vor mehr als 50 Jahren machten Segelflieger der Segelfluggruppe Isartal (SGI) unter abenteuerlichen Bedingungen auf den nassen Streu- und Buckelwiesen am nördlichen Rand der Königsdorfer Filz die ersten Probestarts. Wir kennen dieses Gelände heute als Segelflugzentrum Königsdorf.

1960 erteilt das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr (BStMWV) die Erlaubnis für Windenstarts, befristet auf ein Jahr. Darauf hin werden mit 24 Grundbesitzern Pachtverträge abgeschlossen, die vielen schmalen Parzellen verlaufen quer zur Startrichtung. Nur nach umfangreichen Geländearbeiten kann geflogen werden, am Standplatz für die Startwinde steht das Moorwasser knöcheltief. Im ersten Jahr kommen die Segelflieger gerade an vier Tagen in die Luft, 1961 an sechs Tagen und 1962 fällt jeglicher Flugbetrieb buchstäblich ins Wasser.

In München zeichnet sich ab, dass der zentrale, mit der Straßenbahn erreichbare Flugplatz Oberwiesenfeld den Baumaßnahmen zur Olympiade 1972 zum Opfer fallen wird, vier Luftsportvereine suchen eine neue Heimat. Die Wege der Münchner führen auch ins Königsdorfer Moor. Der Bayerische Luftfahrtverein München, die SGI und der FSV Bad Tölz beschnuppern sich, stimmen ihre Interessen aufeinander ab, gründen 1963 zum Zweck des Grunderwerbs die Segelflugplatzgemeinschaft-GbR und kaufen die ersten sechs Hektar Grund.

1964 tritt die Akaflieg München als vierter Verein der Gemeinschaft bei, da der Flugplatz der Studenten in Prien am Chiemsee Bauland wird. Um vor dem jährlich wiederkehrenden Hochwasser im Moor geschützt zu sein, wird 1966 eine 600 m lange Startbahn aus Kies aufgeschüttet, so entsteht der Flugplatzweiher. Der Segelflieger-Club München wird 1967 in die Segelflugplatzgemeinschaft aufgenommen, er bringt als Schleppflugzeug eine Piper Super Cub mit. Diese fünf Vereine gründen im gleichen Jahr die Haltergemeinschaft Flugplatz Königsdorf als gemeinsames Dach für die Durchführung des Flugbetriebs.

So sieht der Flugplatz 1967 aus, Ansicht von SW. Die Hallen BLVM, Akaflieg und SCM sind im Bau, eine Straße zum Flugplatz gibt es noch nicht, nur Feldwege. Oben links der Kiesabbau am heutigen Bibi-See.

Die Haltergemeinschaft erhält 1968 eine unbefristete Genehmigung für den Segelflugplatz, erweitert um die Betriebsarten Flugzeugschlepp und Motorsegler. Ein Bauschutzbereich wird errichtet, die Straße von der B 11 zum Flugplatz gebaut und ein Telefonanschluß verlegt. Als sechster Verein wird 1969 die Fluggruppe Entwicklungsring Süd, heute Luftsportclub Alpenflug München, in die Flugplatzgemeinschaft aufgenommen; sie bringt eine BO 209 Monsun als Schleppflugzeug mit. Alle Vereine zahlen eine individuell festgelegte Aufnahmegebühr in einen gemeinsamen Topf, sie sind seitdem gleichberechtigte Partner mit allen Rechten und Pflichten.

1969 werden zum ersten Mal Segelflugmeister-schaften in Königsdorf durchgeführt; Piloten und Mannschaften verfolgen die erste Mondlandung nachts im Zeltlager am Radio. Der Bestand am Flugplatz ist jetzt 30 Segelflugzeuge, zwei Schleppflugzeuge, eine Startwinde und vier Flugzeughallen. Am 18.Oktober erfolgt die feierliche Einweihung des Segelflugplatzes unter Beteiligung der Bevölkerung.

Der Segelflugplatz vor dem Ausbau: eine Kiesbahn für die Starts und eine Landefläche vor dem BLVM. Die Zufahrtstraße ist fertig gestellt, doch der diagonale Feldweg durch den Platz ist noch vorhanden. Deutlich ist oberhalb der Hartbahn die ehemalige Windenstrecke der SGI zu sehen.

Die Jahre 1970 bis 1972 sind vom Ausbau des Segelflugplatzes gekennzeichnet. Darlehen werden aufgenommen, Grundstücke gekauft, die Flurbereinigung durchgezogen (18,6 Hektar beträgt jetzt der Flugplatzgrund), Startbahn und Rollwege mit einer Asphaltdecke ausgebaut sowie die Landefelder trocken gelegt, aufgefüllt und begrünt. Das BStMWV erkennt den Segelflugplatz als Luftsport-Schwerpunkt an und steuert seinen Anteil als langfristiges Darlehen bei. Die Antreiber hinter dieser gewaltigen Baumaßnahme sind Dr. Burkhard Grob/ SCM und Joachim Zangenberg/ Akaflieg, die Ausführung liegt bei der Erdbaufirma Florian Lacherdinger/ BLVM.

Die Vereine und der Flugbetrieb nehmen einen beträchtlichen Aufschwung. Die Zahl der Mitglieder steigt, die Flugzeughallen werden fertig gestellt, GfK- Segelflugzeuge sind jetzt Standard und jeder Verein hat ein eigenes Schleppflugzeug. 1970 wird in der Halle der FSG EWR das erste Flugplatzfest veranstaltet und eine jährliche Tradition mit vielen Tausend Besuchern begründet, die bis heute Bestand hat. Zur Förderung des Streckensegelfluges werden jährlich Wettbewerbe und regionale Meisterschaften durchgeführt.

Alle Betriebsflächen werden während des Ausbaus abgeschoben, aufgefüllt, begradigt und angesät. Der Flugbetrieb geht dabei weiter, sogar der erste Königsdorfer Wettbewerb wird durchgeführt.

Mit der Zunahme des Flugbetriebs nach der Ausbauphase kommen auch die ersten Proteste aus der Bevölkerung gegen den Fluglärm. Es bedarf jahrelanger zäher Überzeugungsarbeit nach außen und bei den Piloten, der Rückbesinnung auf den ursprünglichen Wert des motorlosen Fliegens, der Ausweisung von Lärmschutzzonen, Flugrouten und Ruhezeiten, der Umrüstung der Motorflugzeuge auf das technisch Machbare zur Lärmreduzierung, Kontingentierung der Zahl der Flugzeuge sowie die aktive Teilnahme am Vereinsleben der Gemeinde Königsdorf, um das Vertrauen der Bevölkerung und des Gemeinderates zurück zu gewinnen.

Die sehr erfolgreiche Ausrichtung der Bayerischen Segelflugmeisterschaften 1976 mit 40 Piloten, 11 Wertungstagen und 130.000 km Streckenflügen motorlos über Bayern ist der Auslöser für die zunehmend sportliche Betätigung der Königsdorfer Segelflieger. Kleine und große Streckenflüge mit Segelflugzeugen im Alpenraum werden zur Selbstverständlichkeit. Die Flugstrecken nehmen stetig zu, bis hin zu 1000 km- Flügen non- Stopp von Königsdorf bis in die Nähe von Ljubljana in Slowenien, von dort ins obere Rhonetal und zurück nach Königsdorf; Landung kurz vor Sonnenuntergang nach elf Stunden Flugzeit. Piloten aus Königsdorf sind Mitglieder der deutschen Segelflug-Nationalmannschaft, erringen Titel bei Deutschen Meisterschaften, nehmen an Europa- und Weltmeisterschaften teil und gewinnen mehrfach den Barron-Hilton-Cup/ Nevada und den Bitterwasser Cup/ Namibia gegen internationale Konkurrenz.

Und so präsentiert sich das Segelflugzeutrum nach dem Ausbau, eine hervorragende Ausgangsbasis für alle Arten von Streckenflügen im Alpengebiet und im Flachland.

Heute betreiben die Vereine über 70 Segelflugzeuge, dazu sieben Schleppflugzeuge, sechs Motorsegler und zwei Startwinden. Mit mehr als 10.000 Starts im Jahr ist das Segelflugzentrum Königsdorf der aktivste, nicht gewerblich betriebene Segelflugplatz in Bayern und einer der sportlich erfolgreichsten in Deutschland. Für die immer leistungsfähiger und schwerer werdenden Segelflugzeuge (größere Spannweite, Wasserballast) werden die Startbahn für den Flugzeugschlepp auf 780 m und die Windenstrecke durch Anpachtung verlängert. 1989 wird der Flugplatz an die Strom- und Wasserversorgung und das Kanalnetz angeschlossen und im Jahr 2000 eine moderne Tankanlage gebaut; das erfordert noch einmal beträchtliche finanzielle Anstrengungen. Insgesamt bringen die Vereine im Laufe der Jahre über 400.000 € für die Flugplatz-Infrastruktur auf, der Bau der Flugzeughallen mit Anbauten und Werkstätten und die laufende Modernisierung des Flugzeugparks nicht gerechnet. Nach der Tilgung aller Darlehen gehört der Flugplatz seit 1985 den sechs Vereinen.

Mehr als 350 Piloten, darunter jährlich 40 Flugschüler, gehen am Segelflugzentrum Königsdorf einer faszinierenden Sportart nach, die sie trotz modernster Technik zu einem nahezu perfekten Einklang mit der Natur und dem Wetter zwingt. Streckenflieger, Wettbewerbspiloten oder Lustflieger, sie alle kommen zum Flugplatz wegen der Freude am Segelfliegen, diesem einzigartigen Naturerlebnis, ausschließlich mit der Sonnenenergie als Antrieb und mit dem Vertrauen auf das eigene Können.

Bei sechs Vereinen und über 70 Segelflugzeugen am Flugplatz kann es am Start schon mal Gedränge geben.

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